Am A**** vorbei.

Warum trägt jemand solche Hosen? Darüber denke ich schon mein halbes Stylingleben nach. Der gängige Begriff Haremshose lässt eigentlich Schöneres vermuten, da passt der deutsche Begriff Pumphose schon sehr viel besser.

Eine naheliegende Erklärung wäre natürlich, dass man nichts auf Äußerlichkeiten gibt und diese Haltung den arglosen Mitmenschen unmissverständlich vor Augen führen möchte. Auf jeden Fall soll die Außenwahrnehmung als mögliches Sexobjekt (weibl. oder männl. ist hier egal) ausgeschlossen werden, soviel ist klar. In beiden Fällen kann man den/die Träger*in beglückwünschen: Ziel erreicht. Sonst fällt mir als Erklärung nur noch ein, dass vielleicht eine Wette verloren wurde.

Was könnte die Entscheidung, sich so auffällig daneben anzuziehen wohl sonst noch beeinflussen? (Den Begriff ‚stylen’ möchte ich  hier nicht verwenden.) Bekleidung soll ja auch Gruppenzugehörigkeit demonstrieren, unabhängig von Trends und Must Haves.

Die größte Gruppe dieser Hosenträger lebt allerdings in den unwegsamen Gebirgsregionen kochendheißer Länder mit Rieseninsekten und bekloppten Religionen, weit weg von jeder modernen Zivilisation. Wer will da ernsthaft verortet werden?

Ich muss mich wohl demnächst mal trauen direkt zu fragen, sonst werde ich es nie erfahren. Ich werde auf jeden Fall berichten, wenn es Erkenntnisse gibt.

In diesem Sinne: hang loose but dress properly. 😊

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Selbstoptimierung.

Das Dindl ist das perfekte feminine Kleidungsstück. Es bietet alle Möglichkeiten, zu kaschieren, zu betonen, zu optimieren und je nach Einstellung keusch oder sexy auszusehen. Man kann -und sollte -auf High Heels verzichten, wie auch auf abstrakte Brillenformen und Bürstenhaarschnitte. Das Dirndl ist wunderbar in seiner reinsten Form.

Alles, was zu viel an Figur ist, wird weggeschnürt, wo was fehlt, wird Stoff gerafft. So gibt’s bei kleinem Busen viele  Rüschen im Ausschnitt, fehlende Taille wird durch ein straffes Schürzenband vorgetäuscht,  kräftige Waden durch einen längeren Rock getarnt.. Außerdem hat jedes Dirndl auch immer was von Mädchen und Prinzessin.

Das ist natürlich eine sehr traditionelle Interpretation des Frauenbilds, wenn man mal hinter’s Mieder guckt, aber eben sehr schön.

Soweit die Theorie.

Ich war letzte Woche auf dem Oktoberfest – ohne Dindl, obwohl ich darin super aussehe. Irgendwie fehlt mir dazu allerdings  die innere Haltung und meine Sozialisation im Kohlenpott war sicher auch nicht hilfreich.  Obwohl ich als Kind mal ein Pseudo-Dirndl von C & A  besaß, was ich sehr gern getragen habe.

Mein Zugeständnis an bayrisches Brauchtum war eine schwarz-weiß karierte halbtransparente Seidenbluse von Diane von Fürstenberg kombiniert mit schwarzen Röhrenjeans in stressed-Optik .

Das sah doll aus!  Gegen die geballte barocke Weiblichkeit im Käferzelt kam ich mir allerdings mit meinem coolen Hauptstadtlook total preußisch und lustfeindlich vor.

Tja, wat nu? Hier kommt wieder der alte Lehrsatz in‘s Spiel, der besagt, dass Form und Inhalt zusammen passen müssen, Selbstoptimierung hin, Perfektion her. 🍻 ❤️ 🥨

 

 

 

 

 

DER HAMMER.

Heute Abend läuft der Film Der große Rudolph zur Prime Time in der ARD: Rudolph Moshammer nebst Mutter Else und Hund Daisy als schrilles Glamourterzett der 80er Jahre und frühen 90er Jahre in München.

Und ich habe ihn ein paar Mal gestylt. Das heißt, er hat sich natürlich selbst gestylt, aber es kann ja immer mal was sein: ein abgerissener Knopf, eine schiefsitzende Krawatte, ungewollte Faltenbildung im Bauchbereich (Stau am mittleren Ring, wie es in Bayern heißt), unschöne Flusen, ein schräg geschlossenes Jackett, wie es letztens der Merkelmann unbemerkt auf sämtlichen Pressefotos in Bayreuth zur Schau stellte.

Ich habe mich immer gefragt, wer die überteuerten, paradiesvogelartigen Moshammer Outfits wohl kauft und möglicherweise sogar anzieht. Angeblich hat er ja im Keller seiner kleinen Boutique in der Maximilianstraße normale Konfektionsware aufgewertet. Den Keller gab’s, das kann ich bestätigen! Egal, Mosi war quasi der analoge Vorläufer aller Influenzer und Instagrammstars und weltberühmt in München. Trotzdem irgendwie aus der Zeit gefallen, aber, jo mei, München halt, Tradition und barockes Lebensgefühl, alles irgendwie König Ludwig.

Der Mosi war toll! Einer der freundlichsten und geduldigsten Menschen, mit denen ich je gearbeitet habe.  Ich habe ihn auch für Werbespots von McDonalds gestylt. Er war so ziemlich der Einzige am Set der sich nicht wie ein Märchenkönig aufgeführt hat.

Peinlicherweise musste er sich ständig und überall dafür rechtfertigen, dass er Klamotten an Obdachlose gespendet hat. Sein Vater hat selbst auf der Straße gelebt, so die Legende. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass seine Kreationen damals unter den Isarbrücken tatsächlich getragen wurden.

Wer hat die Kollektion also angezogen? Kennt jemand jemanden, der jemanden kennt? Vielleicht wird das Geheimnis im Film gelüftet. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und freu mich drauf. Schampus liegt auf Eis.

In diesem Sinne CHEERS und einen prickelnden .Abend. 🥂

 

 

Playmates.

Burt Reynolds ist gestorben. Nicht, dass ich jemals Fan gewesen wäre. Ich fand diese Macho-Attitude immer komplett daneben, unzeitgemäß, überflüssig, spießig, gönnerhaft. Seine Filme waren wohl auch für eine andere Zielgruppe gedacht.

Dann erschien zur Krönung das Foto auf dem Bärenfell, bei dem man kaum erkennen konnte, wo das Fell aufhörte und der Bär anfing! Immerhin war er nach Yves Saint Laurent der zweite nackte Mann in einer kommerziellen Publikation. Hmmmm…..

Aus heutiger Sicht hat das ganze fast Comic-Charakter. Legendäre Statements wie ‚Man kann nicht mit allen Frauen schlafen, aber man sollte es zumindest versuchen‘ und ‚Solange der Nagellack nicht getrocknet ist, sind Frauen praktisch wehrlos‘ würden heute definitiv das Karriere-Ende bedeuten.

Schön, dass man mittlerweile drüber lachen kann. 😊☺️

 

 

No Angels.

Absturz bei Victoriass Secret. DIE Lingerie-Marke mit den schönsten Models, den tollsten Shows und der schärfsten Wäsche ist plötzlich nicht mehr zeitgemäß. Engel werden die Models genannt und dementsprechend abgehoben schwebten sie bisher mit riesigen Flügeln, Stringtangas, Pushup-BH‘s, High Heels und Strapsen  über den Catwalk. Dieses Frauenbild kommt seit der #MeToo-Debatte nicht mehr an. Der perfekte Körper hat als Objekt der Begierde ausgedient.

Und mit dem Weltbild ändert sich der Lifestyle.

Jetzt wollen alle die Marke Aerie tragen. Deren Umsatzkurve  geht genauso steil nach oben wie die von Victoria’s Secret abschmiert. Aerie zeigt die Wäsche an normalen Frauen, groß, klein, dünn, dick, unterschiedlich proportioniert. Ohne Flügel, aber mit ausgesprochen guter Laune. Trotzdem gewöhnungsbedürftig. Die unterschiedlichen Figuren machen es schwer, die vorgeführte Wäsche zu beurteilen. Genau deshalb hat man sich mal auf Models mit genormten Maßen geeinigt und der Begriff Kleiderständer kommt nicht von ungefähr.

Aber der Zeitgeist verlangt jetzt was Anderes.

Man muss allerdings zugeben, dass der Unterschied zwischen den engelhaften Models bei Victoria‘s Secret und den meisten Endverbraucherinnen gewaltig ist.

Ich habe mich oft gefragt, wie ein winziger Slip mit Bommel im Steißbereich wohl in Größe 48 aussieht – und wie groß dann wohl der Bommel ist!

Wer jemals in der pinkfarbenen Hölle eines Shops im ländlichen Amerika war, in denen es von stämmigen Cowgirls aller Generationen nur so wimmelt, während ihre männlichen Begleiter trotz der verführerischen Auslagen mit leeren Blicken stumpf vor der Tür verharren, weiß, was gemeint ist.

Nein, wir sind keine Engel. Und wenn, dann soll es niemand sehen.

😇

 

GEPÄCKKONTROLLE.

Welche Outfits gehören in den Urlaubskoffer und was kann zu Hause bleiben? Dazu habe ich vor einigen Tagen ein ausführliches Interview für RTL gegeben. Ich weiß natürlich durch meine vielen Reisen sehr genau wie’s geht und als Stylingprofi sowieso. Um so unverständlicher, dass ich mich selbst eher selten aus meinem reichen Erfahrungsschatz bediene.

Es hilft, wie so oft, nur eiserne Disziplin: 14 Tage unterwegs, 7 Outfits. Bei längerem Aufenthalt alles waschen bzw. reinigen lassen und wieder von vorne anfangen. Expeditionen, Luxuskreuzfahrten und Kulturreisen zu den besten Opernhäusern oder Sterneköchen der Welt und Einladungen bei Hofe mal ausgenommen, kommt man wirklich mit erstaunlich wenig aus.

Einfacher Tipp: Lieblingssachen mitnehmen! Die wird man nicht so schnell Leid und sie machen gute Laune. Alles, was man irgendwie nie anzieht und deshalb zum Lüften mit in ferne Länder nimmt, ist Ballast. Es gibt sicher gute Gründe dafür, warum man bestimmte Sachen auf der Kleiderstange immer wieder ganz nach hinten schiebt.

Alles im Urlaub soll leicht sein, die Stimmung, das Essen und auch die Kleidung. Lockere Baumwolle und Leinen eignen sich dazu perfekt. (Kleiner Urlaubsspoiler am Rande: in Leinen hat man vor Erfindung entsprechender industrieller Möglichkeiten Leichen eingewickelt, wegen des kühlenden Effekt, sozusagen über das Verfallsdatum hinaus.)

Sneakers, möglichst weiß und einfach, reichen als festes Schuhwerk aus, falls es doch mal in unwegsames Gelände geht oder auf’s Fahrrad. Coole Sandalen mit etwas Blingbling ersetzen die High Heels am Abend. Die meisten haben durch die viele Sonne in Kombination mit alkoholischen Mischgetränken schnell geschwollene Füße und dann sind Absätze eine Tortur. Gefährlich sind deshalb auch hochgeschnürte Sandalen. Stichwort Rollbrateneffekt, bei Sonnenbrand medium rare.

Apropos rot. Die Farbe ist bei geröteter Haut der Killer und beisst sich mit brauner Haut. Pastells sehen immer gut und frisch aus: blau, türkis, hellgelb weiß, beige, kralle, rosa, lemon. Verboten: starke Kontraste, die sind zu schwer und wir wollen ja leicht. Ausnahme: schwarz-weiß.

Mein unverzichtbares Lieblingsteil ist ein großes weißes Herrenhemd. Am Strand: Knöpfe auf und Kragen hoch, in der Stadt: Knöpfe zu und Ärmel gekrempelt. Schützt vor Wind und Sonnenbrand und geht mit Gürtel und coolen Sandalen (siehe oben) sogar als Kleid durch. Und man sieht immer frisch aus.

Absolut unverzichtbar sind Tücher in verschiedenen Größen. Damit lässt sich vom Stirnband übers Schultertuch bis zu Sarong und Wickelhose alles abdecken. Je nach Muster und Wickeltechnik unbedingt auch abendtauglich. Zur Not hat man auch noch ein Badelaken.

Ein lockerer Kaschmirpulli für kühlere Tage passt zu allem, egal welche Farbe, Hauptsache ecru. Weiterer Vorteil: er wiegt nichts, knittert nicht und lässt sich wunderbar im Koffer zusammen rollen. Strammes Aufrollen ist überhaupt ein guter Trick um Platz zu sparen und gegen Knittern.

Jeans müssen mit, die braucht man immer. Ich nehme grundsätzlich zwei mit verschieden Waschungen mit.

Gold und Silber sehen bei brauner Haut optimal aus. Es darf im Urlaub in bisschen mehr sein. Klare große Teile sind effektiver als Fummelkram und kleben nicht auf der Haut.

Ansonsten: Shopping! Dann hat man jahrelang was vom Urlaub.

In diesem Sinne kann ich nur den Sticker auf dem Koffer zitieren: Jaimaica-No Problem.

Gute Erholung!

VERDAMMT SCHÖN.

VerdammtSchön

Gut ist das neue Schön. Und Schön ist das neue Nett. Und das Gegenteil von individuell. Einerseits ist alles schön, was richtig ist, Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und alle, mit denen man sich identifizieren kann. Ed Sheeran fällt mir da ein. Andererseits wird ständig das Hohelied der Authentizität gesungen. Bei zu viel Eigenständigkeit, ist allerdings schnell Schluss mit dem Lobgesang. Ich habe letztens den Begriff Massenindividualitätin Bezug auf Mode und Zeitgeist gelesen. Das ist zwar nicht schön, aber richtig.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters‘ heißt es, aber das ist natürlich Quatsch. Gemeint ist persönlicher Geschmack und der hat mit Schönheit oft genau so wenig zu tun wie George Clooney mit Robert Geissen. Aber niemand will sich vorschreiben lassen will, wer oder was als schön zu gelten hat. Bei Fashion-Shows wird Angelina Kirsch, die tatsächlich ein sehr schönes Gesicht hat, immer besonders beklatscht, weil sie Größe 46 trägt. Germanys Next Top Models werden trotz perfekter Figuren und ebenmäßiger Gesichter nicht als schön angesehen. Heidi Klum hat als Profi natürlich andere Auswahlkriterien als Fräulein Tausendschön aus dem Finsterwalde, dafür will man sich irgendwie rächen und macht die Models runter.

Kim Kardashian und Silvie Meis dagegen werden für schön gehalten. Sie haben das Optimale aus sich herausgeholt und da kann im Prinzip jede*r mitmachen.

‚Ist doch schön‘ war schon das Totschlagargument meiner Mutter, die als Modefachverkäuferin ihre Vorstellungen von Style gegen mein früh erwachtes Modebewusstsein durchsetzen wollte. Spätestens damit war klar, dass man mit Mutters Ideen in der eigenen Peergroup trendmäßig nicht punkten konnte.

‚Schön is, wenn et schön is‘ ist ein rheinisches Sprichwort. Das hat der Rheinländer wie immer schön auf den Punkt gebracht.

Aber wenn alles schön ist und alle schön sind, ist nichts und niemand mehr schön. Da passt mein Lieblingszitat: Die Demokratisierung des Geschmacks ist die Diktatur der Geschmacklosigkeit.

Die wirklich wahre Schönheit ist selten und dann mehr Fluch als Segen. Zwei Beispiele: Ich war bei einem klassischen Konzert, Chor und Orchester, bei dem es um den absoluten Klang, die reinste Reinheit und die schönsten Töne ging. Das hatte was faschistoides, da waren sich die Besucher einig and I was ready to kill.

Bei einer Produktion auf Sardinien hatten wir ein so schönes Männermodel, dass die Leute buchstäblich verstummt sind, wenn man mit ihm abends ins Restaurant kam und wohl erwarteten, dass er die Menge teilt. Zum Shooting erschien eine Mutter mit zwei Kindern, die nichts anderes wollten, als dem schönen Mann anzugucken. Und die arme Visagistin, die sich jeden Morgen als Erste soviel Perfektion gegenübersah, beklagte, dass sie diesen Blick, diesen Mund und diesen Ausdruck nicht mehr aushalten könne und jeden Tag aggressiver würde.

Du Schöne‚ steht unter geposteten Fotos, auch wenn man vom Winde verweht in der Landschaft steht oder sich fettglänzend in ungünstiger Position auf der Sonnenliege suhlt. Es geht dabei wohl um die vermutete innere Schönheit und soll ein Trost sein, weil diese leider nicht in jeder Lebenslage außen sichtbar ist.

A propos innere Schönheit! Exaltiertheit und Hedonismus waren Mal Wesenszüge der Schönen undReichen. Halsbrecherische Sexabenteuer an exotischen Orten, Alkohol- und Drogenexzesse, öffentliche Ausraster bei Veranstaltungen der Hochkultur und von schnöseligen Erben verprasste Millionen hatten super Unterhaltungswert. Was mal großherzig als Zeichen von Lebenshunger und Aufbegehren durchging, ist mittlerweile nur noch Trash. Den happy few war es egal, was die Leute dachten. Das geht heute gar nicht mehr, Filterblase hin oder her, man will gefallen. Über die zeitgemäßen Schönen und Reichen (vulgo: Promiswird stattdessen Folgendes berichtet: sie/er lebt mit Partner*in, zwei Kindern und Kater Moritz in einem Vorort von Pforzheim und baut in eigenem Garten biodynamisch Gemüse an.

Noch ein Tipp für was richtig Schönes, das gut auszuhalten ist: Der Film La Grande Bellezza von Paolo Sorrentino aus dem Jahr 2013. Da passiert nichts und alles ist schön, Hedonismus und Exaltiertheit inklusive und dabei völlig ohne Kitsch.

In diesem Sinne, ein besonders schönes Wochenende!